Die Prozentzahl der sportlich aktiven Frauen in Brasilien ist gestiegen

Knapp die Hälfte der Deutschen räumte kürzlich im Rahmen einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Gesundheitsmagazins „Apotheken Umschau“ ein, sportlich nicht aktiv zu sein (48,4 %). Vier von zehn der befragten Bundesbürger gaben sogar zu, sich in den vergangenen sieben Tagen nicht einmal für zehn Minuten mehr als nötig bewegt zu haben (39,2 %).

Nach den Gründen für seine geringe körperliche und sportliche Aktivität gefragt, antwortete jeder Vierte (24,9 %), er sei ganz einfach „zu bequem“. Jeder Fünfte (21,3 %) sieht keine besondere Notwendigkeit, sich mehr als nötig körperlich zu bewegen, jeder Siebte (14,3 %) ist immer viel zu müde und erschöpft und jedem Achten (12,2 %) macht körperliche Bewegung ganz einfach „keinen Spaß“.

 

In Brasilien verhält es sich ähnlich. Laut einer Studie des Gesundheitsministeriums, in deren Rahmen 54.000 Erwachsene in allen Hauptstädten des Landes und im Distrito Federal, dem Bundesdistrikt, zwischen Januar und Dezember 2011 befragt wurden, treiben gerade einmal 39,6 Prozent der brasilianischen Männer und nur 22,4 Prozent der Frauen regelmäßig Sport.

 

Dass ich jemals in meinem Leben zu denen zählen würde, die regelmäßig Sport treiben, hätte ich noch vor wenigen Wochen nicht gedacht.

 

Drei Mal hatte ich zuvor den Versuch unternommen: Mein erstes Sportexperiment scheiterte nach der zweiten Stunde, denn die Trainerin war wohl davon ausgegangen, aus mir innerhalb kürzester Zeit eine Spitzenathletin machen zu können. Die Schmerzen, die bereits am Trainingsabend auftraten und mich bestimmt zehn Tage begleiteten, waren schier unerträglich. Nie wieder Sport, schwor ich mir.

 

Doch mit der Zeit verblassen die Erinnerungen, selbst an die schlimmsten Muskelbeschwerden. Jahre später startete ich einen zweiten Versuch, der ebenfalls kläglich scheiterte. Wieder schmerzte nach dem ersten Training der gesamte Körper. Das war schlimm, doch schlimmer noch war die Atmosphäre des Studios, die mir so gar nicht behagte. Ich kapitulierte.

 

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ein eigenes Sportgerät die Lösung sein könnte. Kein Trainer, der mich über die Grenzen meiner physischen Belastbarkeit hinaus schinden würde, kein stickiges Studio mit nervtötenden Muskelprotzen. Ich kaufte einen Stepper. Eine Zeit lang nutzte ich dieses Ungetüm, das später jahrelang zum Engpass auf dem Flur wurde.

 

Mein Mann besitzt eine hohe Affinität zur sportlichen Ertüchtigung. In unseren ersten Wochen im Hotel nutzte er den Sala de Gimnastica, den Fitnessbereich des Hotels, der mich erwartungsgemäß wenig ansprach, bis er schließlich dazu überging, in der Umgebung unseres Apartments zu laufen. Immer wieder versuchte er, mich von der Teilnahme an seinen morgendlichen Joggingrunden zu überzeugen, ohne Erfolg.

 

Wie auch immer es dazu kam: An einem Sonntag im vergangenen Oktober gab ich mich geschlagen und schnürte ebenfalls meine Schuhe. Wir walkten über schlechte Bürgersteige, überquerten unübersichtliche Straßenkreuzungen und liefen, wenn die Bürgersteige allzu schadhaft waren, auf den Straßen. Zugegeben, es war nicht so schrecklich wie erwartet, doch auch nicht wirklich toll, denn die Unterschiede in unserem Leistungsniveau und die desaströsen Bürgersteige ließen keine dauerhafte Freude aufkommen. Einmal mehr schloss ich das Thema Sport für mich ab.

 

Vor etwas über einem Monat geschah schließlich ein Wunder: Zufällig war ich auf ein kleines Fitnessstudio in der Umgebung gestoßen, von dem ich meinem Mann, der endlich wieder richtig Sport treiben wollte, berichtete. Eher unwillig begleitete ich ihn zur Besichtigung.

 

Zu meiner Überraschung gefiel mir das Studio, das den verheißungsvollen Namen Fit Stadium trägt, sofort. Ein gepflasterter Weg mit Blumen, Sträuchern und Bänken gesäumt von Räumen für Spinning und zahlreiche Kurse auf der einen und einem offenen Konditions- und Fitnessbereich auf der anderen Seite. An der Stirnseite ein Schwimmbecken für Aquagymnastik. Besonders fasziniert war ich von der Atmosphäre und den Menschen, die an diesem Samstagvormittag trainierten. Heiter und entspannt trafen hier die unterschiedlichsten Altersgruppen, Hintergründe, Körpermaße und Trainingszustände aufeinander.

 

Wir vereinbarten einen Termin für die Avaliação Física, den Fitness-Check, obligatorisch für die Mitgliedschaft. Hier erwartete uns eine Trainingsexpertin, die uns, nachdem wir einen ausführlichen Fragebogen beantwortet hatten, wog, vermaß und unterschiedliche Übungen machen ließ. Nach einer Woche lag der detaillierte Bericht mit Empfehlungen für die Trainer vor.

 

Nun war für mich der Zeitpunkt gekommen, mich zu entscheiden, was mir leicht fiel, denn die monatlichen Mitgliedsbeiträge sind vergleichsweise gering, sodass zu verschmerzen wäre, wenn ich innerhalb der sechsmonatigen Vertragsdauer aufgeben würde.

 

Am 5. Mai haben wir mit dem Training begonnen. Kaum angekommen, stieg mein Mann freundstrahlend auf das Laufband. Ich bekam eine Einführung durch eine der engagierten Trainerinnen, die wirklich alles richtig gemacht hat. Zwanzig Minuten sollte ich mich auf dem Laufband, einem Gerät das ich nie zuvor ausprobiert hatte, warm machen. Nachdem ich mich in Position gestellt hatte, stellte die einfühlsame Sportlerin das Gerät auf die niedrigste Stufe ein, schaltete, mich genau beobachtend, langsam hoch und erläuterte, dass ich Stufe fünf, gemäßigtes Laufen, für die erste Zeit nicht überschreiten sollte. Anschließend demonstrierte sie die Fitnessgeräte und ließ mich unter Beobachtung leichte Übungen absolvieren.

 

In der darauffolgenden Woche präsentierte sie mir einen ausgeklügelten, bewältigbaren Trainingsplan, den ich in den ersten zwei Monaten machen könne. Drei Mal pro Woche sollte trainiert werden. Doch ich würde sehen – schon nach kürzester Zeit würde ich täglich Sport machen.

 

Soweit ist es bislang noch nicht gekommen. Dienstags und donnerstags starten wir unser einstündiges Trainingsprogramm um 7.00 Uhr, samstags beginnen wir gegen 11.00 Uhr. Inzwischen habe ich mich auf dem Laufband, ein Gerät das für mich entwickelt worden zu sein scheint, auf 50 Minuten bei Stufe sechs gesteigert. Der nächste Level ist anvisiert. Nie, wirklich nie hätte ich das gedacht.